Kreditmodell?

Zur gestrigen Audimax-Besetzung war Josef Broukal in der ZiB24 und hat – mal wieder – das (australische) Kreditmodell zur Finanzierung eines Studiums erwähnt. Im Moment ist dieses Konzept zwar nicht heiß diskutiert (weil Zugangsbeschränkungen – ebenso schlimm – in Diskussion sind), dennoch sollte dieses vermeintliche Lösungsmodell mal genauer beleuchtet werden. Es ist nämlich nicht die Antwort auf alle Fragen, sondern sozial ungerecht.

In Australien übernimmt der Staat für einen Teil der Kosten der Studienplätze und überschreibt den Studierenden dafür eine entsprechende Summe als Schulden. Die Studierenden können wählen, ob sie diese Summe mit einem Abschalg sofort bezahlen oder ob sie die Gebühren erst später mit ihren Steuern verrechnet haben wollen. Klingt praktisch? Die Kritik hat viele Facetten:

Erstens: Nicht für alle Studierenden wird so ein Kredit (Higher Education Contribution System – HECS) bereit gestellt und Personen aus bildungsfernen Schichten haben weniger Chance auf einen Studienplatz: Kinder von finanziell gut ausgestatteten Eltern können sich sowohl um einen HECS – als auch um einen normalen (full-fee-paying)-Platz bewerben, Sozial Schwache nur für HECS. SofortzahlerInnen erhalten massive Abschläge und bezahlen daher weniger Studiengebühren.

Zweitens: Die Gebühren richten sich nicht nach den Kosten des Studiums sondern nach dem zu erwartetenden Einkommen. Höchstgebühren fallen für Jus, Wirtschaftswissenschaften und Medizin an; geringere für „national priorities“ wie Erziehungswissenschaften. Das heißt, das “Humankapital” wird in den Vordergrund gerückt.

Drittens: Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist nicht gewährleistet, denn Frauen verdienen in der Regel deutlich weniger als Männer und sind daher zu einer längerfristigen Rückzahlung gezwungen und somit länger verschuldet. Eine Hochrechung für Australien: Bei einer angenommenen Verschuldung von 20.000 AUD zahlen Männer im Durchschnitt 17 Jahre, Frauen 51 Jahre den Kredit zurück.

Viertens: Studierende aus gehobenen Schichten erhalten in der Regel mehr als doppelt so viel Zuwendungen von ihren Eltern als jene aus einkommensschwächeren Schichten. Bei den reicheren Studierenden ist also davon auszugehen, dass ihre Eltern die Gebühren von Anfang an per Sofortzahlung übernehmen – und dafür Studierenden aus sozial schwächeren Schichten mit einem Schuldenberg ins Berufsleben starten. Der schlechtere Startvorteil verschiebt sich nach hinten; mal abgesehen von der psychologishen Hürde, die ein Schuldenberg darstellt.

Noch ausführlicher gibt’s das ganze beim Aktionsbündnis gegen Studiengebühren.

Und nochmal: Sozial verträgliche Studiengebühren gibt es nicht. Egal wie man/frau es dreht und wendet.

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