Aus dem Wörterbuch: “sich eine Karl machen”

25. Januar 2010 von sophiewollner

eine Karl machen, sich, österreichisch für: eine studierendenfeindliche ÖVP-Wissenschaftsministerin installieren, die den Kurs ihrer VorgänerInnen fortsetzt; erstmals überliefert im Jänner 2010. Parallele zum ursprünglichen sich eineN Karl (Spaß) machen; Bedeutung ins Gegenteil verkehrt, negativ besetzt. Beispielsätze: “Mit der neuen Wissenschaftsministerin macht sich die Regierung eine Karl”. Die Reaktionen der kritischen Studierenden könnten so pointiert zusammengefasst werden.

Genug des Wortwitzes. Wir haben eine neue Wissenschaftsministerin und ihr Name ist Beatrix Karl. Die ÖVP-Wissenschaftssprecherin hat sich bisher – in der Hochschuldebatte und während der Proteste – als studierendenfeindlich hervorgetan. Erst im Herbst hat sie durch Aussagen pro Wiedereinführung der Studiengebühren und Ausweitung der Zugangsbeschränkungen aufhorchen lassen. Dass sie eine ÖVP-Hardlinerin in Sachen Elitestudium ist, zeigt sich auch durch ihre Reaktion auf das VSStÖ-Grundstipendium im Herbst 2008, das sie sofort vehement ablehnte – trotz Ausfinanzierungsvorschlägen.
Karl betritt das MinisterInnenparkett nicht unvorbelastet – was sie als Ministerin machen wird, bleibt freilich offen. Die Österreichsiche HochschülerInnenschaft lädt Karl zur Fragestunde. Eins ist aber klar: Wir Studierenden werden ihr auf die Finger schauen.

Die Top Ten der Ersatzhandlungen

4. Januar 2010 von sophiewollner

Ich sollte für die Uni arbeiten, ein Referat vorbereiten und eine Arbeit schreiben. Und mit dem Näherkommen der Deadline(s) steigt auch die Zahl der Ersatzhandlungen. Hier meine aktuellen Top Ten:

1. Bücher katalogisieren
2. Bücher umordnen
3. Entfernte Verwandte/Bekannte anrufen
4. gesunde (!) Sachen kochen
5. Endlich mal die Schuhe putzen
6. Sport machen
7. In die Luft schauen
8. Listen machen
9. viel über die Arbeit die getan werden soll reden
10. Bloggen

Eigentlich könnte ich mir noch ganz viele Gedanken über die Reihenfolge der Top Ten machen. Aber vielleicht sollte ich mich doch wieder an die Arbeit machen – oder doch lieber die Oma anrufen?

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

14. Dezember 2009 von sophiewollner

Die Einkommensschere klafft in Österreich weit auseinander: Frauen verdienen ein Drittel weniger. Die Benachteiligung von Frauen beruht nicht nur auf unterschiedlichem Bildungsniveau oder Berufserfahrung, sondern auf faktischer Diskriminierung von Frauen.

Gedruckt ist dieser Text in der unique – der Zeitung der HochschülerInnenschaft an der Uni Wien zu lesen.

Sonntag, 27. September 2009, 9 Uhr: Eine erwerbstätige Frau arbeitet ab diesem Datum, dem Equal Pay Day, gratis. Denn aufgrund der Tatsache, dass Frauen in Österreich durchschnittlich 26,2 Prozent weniger verdienen als Männer, arbeiten sie in diesem Land in etwa drei Monate umsonst. Der Equal Pay Day wird jedes Jahr neu berechnet, die Zeit der Gratis-Arbeit bleibt dabei konstant bei etwa drei Monaten.

Guido Strunk von der Wirtschaftsuniversität Wien hat über zehn Jahre die Berufsbiographien von Männern und Frauen beobachtet und kommt zum Ergebnis „Eine Frau muss ein Mann sein, um Karriere zu machen“. Was hier wie ein mäßig witziges Wortspiel klingt ist real. Auf der Homepage des Frauenministeriums findet sich folgende Beschreibung der Studie: „Es wurden Absolventinnen und Absolventen zu ‘Paaren’ zusammengespannt und über 10 Jahre ihre berufliche Entwicklung beobachtet. In den ersten drei Jahren kletterten die Geschlechter im Gleichschritt die Karriereleiter empor – doch dann zogen die Männer davon: Sie bekamen mehr Verantwortung, mehr Geld. Nach zehn Jahren hatten die männlichen Abgänger der Wirtschaftsuniversität schließlich im Schnitt 15,2 Angestellte unter sich, die weiblichen Kolleginnen nur 3,7.“
Es ist aber nicht nur die Ungleichbehandlung beim Gehalt, die zu ökonomischen Nachteilen von Frauen führt – es ist auch die Beschaffenheit der Arbeitsplätze. Frauen arbeiten viel öfter nur in Teilzeit-Jobs. Die Stundenlöhne für Teilzeitbeschäftigung sind weitaus geringer als jene für Vollzeitbeschäftigung.

Gläserne Decke in der Arbeitswelt

Das Phänomen, dass die meisten hoch qualifizierten Frauen beim Aufstieg innerhalb von Unternehmen oder Organisationen nicht bis in die Führungsetage kommen, heißt „Gläserne Decke“. Die Soziologin Christiane Funken erklärt sagt dazu: „Die Angst vor einer geringeren Durchschnittsproduktivität von Frauen und vor höheren weiblichen Fluktuationsraten konnte jedoch durch zahlreiche nationale und internationale Studien eindeutig widerlegt werden. Stattdessen sorgen Stereotypisierungen und Homogenitätserwartungen bei der Einstellungs- und Beförderungspolitik in den karriererelevanten Netzwerken für Schließungsprozesse gegenüber Frauen.“
Berufsbiographien orientieren sich am Modell eines Mannes: Erwartungen wie die nach uneingeschränkten Mobilität, ständiger Verfügbarkeit und ununterbrochener Karrierebiographie passen mit Frauen, die Kinder betreuen müssen nicht zusammen. Die Mischung aus fehlenden Vorbildern, angenommener Selbstverständlichkeit und gesetzlicher Untersteuerung macht diese Situation festgefahren.

Die Schere schließen!

Dass Frauen im aktuellen Wirtschaftssystem benachteiligt werden ist im öffentlichen Diskurs bereits angekommen, die Vielfalt der möglichen Maßnahmen wird häufig besprochen, aber nicht umgesetzt. Mögliche Schritte sind stärkere Transparenz bei Auswahlverfahren für Führungspositionen. In Aufsichtsräten sind Frauenquoten – wie auf den Unis – eine Möglichkeit um mehr Frauen zu fördern. Frauenförderprogramme und Mentoringprogramme helfen Frauen, einander zu ermutigen und Netzwerke zu schaffen. Der Übergang von Teilzeit auf Vollzeit muss erleichtert werden, damit Frauen nicht im Teilzeit-Job „hängen“ bleiben und dadurch gezwungenermaßen an die gläserne Decke stoßen.

Frauenförderung im Universitätsgesetz?

22. November 2009 von sophiewollner

Das Universitätsgesetz 2002 wurde im Sommer novelliert: die 40-prozentige Frauenquote und die „Einrede der unrichtigen Zusammensetzung“ sind Schritte in die richtige Richtung– der Weg zu tatsächlicher Gleichberechtigung an den Unis scheint aber noch sehr weit.

Gedruckt ist dieser Text in der unique – der Zeitung der HochschülerInnenschaft an der Uni Wien zu lesen.

Mehr als 50 Prozent der Studierenden sind Frauen – je häher man/frau die Karriereleiter hinaufsieht, desto verzerrter ist das Bild: Nur etwa 30 Prozent der AssistentInnen sind Frauen und nur ca. 14 Prozent der ProfessorInnen. Eine Rektorin sucht man/frau nach dem Rücktritt der BOKU-Rektorin Ingela Bruner wieder vergeblich.

„Gläserne Decke“ und „Pay Gap“

Durch die Dominanz der männlich geprägten Normen kommt es zu einer über Strukturen „gemachten“ Benachteiligung von Frauen. Das Phänomen struktureller Benachteiligung wird „Gläserne Decke“ genannt. Es beschreibt, dass Frauen ab einem gewissen Zeitpunkt auf zwar unsichtbare, dennoch bruchsichere Barrieren stoßen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Soziologin Christiane Funke hat die gläserne Decke erforscht: Ihrer Ansicht nach „sorgen Stereotypisierungen und Homogenitätserwartungen bei der Einstellungs- und Beförderungspolitik in den karriererelevanten Netzwerken für Schließungsprozesse gegenüber Frauen.“
23 Prozent der Männer, die eine Hochschule oder eine ähnliche Ausbildung abgeschlossen haben, üben eine leitende Tätigkeit aus, nur 7 Prozent der Frauen ist dies möglich. Das Einkommensminus von Frauen gegenüber Männern bei den unter 30-jährigen beträgt knapp 20 Prozent bei den Altersgruppen von 30 bis 39 sind es bereits 32 Prozent. Gründe dafür sind Unterbrechung der Erwerbsarbeit wegen Kinderbetreuung, Schwierigkeiten beim beruflichen Wiedereinstieg und die ungleiche Bezahlung.Etablierte Männerseilschaften an den Unis – zum Beispiel der Cartellverband – schließen Frauen immer noch von einflussreichen Positionen im Forschungs-, Lehr- und Verwaltungsbetrieb aus. Auch das traditionelle Verständnis einer wissenschaftlichen Karriere orientiert sich am Werdegang eines Mannes. Unterbrechungen – wie beispielsweise eine Babypause – sind schlicht nicht eingeplant.

Step by Step?

Die Universität ist ein Männerverein: Überwiegend Männer sind in Forschung, Lehre und den Gremein aktiv – somit gestalten auch überwiegend Männer die Entscheidungen für die Zukunft der Unis – wie etwa Personalentscheidungen – mit. In den Diskussionen rund um die Novelle des UG02 war Frauenförderung in Form einer Quote wichtiges Thema – gesetzlicher Outcome ist die im UG02 verankerte 40-prozentige Frauenquote. Der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (§ 42) hat die Möglichkeit zur „Einrede der unrichtigen Zusammensetzung“ von Gremien bekommen. Ein Erfolg für die Vorkämpferinnen an den Unis?
Die Politikwissenschaftlerin Biljana Menkovic sieht das kritisch: „Wenn Frauen nicht oder in geringem Maße aktiv an der Umsetzung von Reformen beteiligt sind und als Akteurinnen auftreten, werden patriarchale Verhältnisse abermals reproduziert.“
Die Aufwertung des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen ist gut – besser wäre jedoch ein Gremium, dass sich mit der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts auseinandersetzt.
Das Geschlechterverhältnis muss in allen Bereichen der Universität ausgeglichen sein und dazu reichen 40 Prozent noch lange nicht.

What the fuck?!

20. November 2009 von sophiewollner

Der VSStÖ hat eine neue Kampagne; sie trägt den Titel “What the fuck?!” und ist Teil eines harten und langen Kampfes gegen Sexismus im Alltag. Weil es so nicht bleiben kann. Alles rund um die Kampagne – Blogeinträge, ein kleines Gewinsspiel und die Anmeldemöglichkeit zum Fempowerment, dem Frauenseminar des VSStÖ gibts hier: whatthefuck.at – vorbeischaun, durchklicken, verlinken!

Das Pickerl: What the fuck?!

Fairness statt “Sanftheit”

4. November 2009 von sophiewollner

“Die Uni brennt“ und der Diskurs um die österreichischen Hochschulen treibt Blüten. Bundeskanzler Faymann verstärkt durch seine Aussagen in den letzten Tagen das Bild der unklaren SPÖ-Position in Sachen Zugangsbeschränkungen und Hochschulpolitik. Niki Kowall argumentiert in seinem Blogbeitrag für eine sanfte Lenkung an der Uni – die Instrumente die er vorschlägt und der Weg den er einschlagen möchte sind, wenn auch bei ähnlichem Ziel, fragwürdig. Die Argumentationsweise schlägt – trotz expliziter Kritik an der Politik der SPÖ – in eine ähnliche Kerbe wie die Bundespolitik: eine Hochschulsicht der Restriktion anstatt der Expansion. Ich habe ihm auf dem Blog der Sektion Acht geantwortet.

Zugangsregelungen? Zugangsbeschränkungen? – Eine Farce und ein offener Brief

3. November 2009 von sophiewollner

“Es geht nicht ohne Zugangsregelungen” war der gestrige Faymann-Sager der in der Causa Zugangsbeschränkungen für Aufsehen gesorgt hat. Der Bundeskanzler scheint nach mehreren Solidarisierungen mit den Studierenden und deren Anliegen nun doch zurückzurudern. Ein Kniefall vor der ÖVP oder doch nur schlecht kommuniziert? Bald wurde versucht, Faymanns Aussage vor der APA zu relativieren – er wäre eigentlich schon für den offenen Hochschulzugang und faire Bedingungen. Und die ÖVP wolle die Schranken schließen, die SPÖ aber nicht. Und was passiert? Durch die Novelle des Unversitätsgesetzes sind Zugangsbeschränkungen im Master flächendeckend möglich, der Paragraf 124b lässt in “Notfällen” den Bachelor beschränken. Die Schranken werden also geschlossen – mit der SPÖ.

Ein Bundeskanzler und Parteichef, der vom freien Zugang zu Bildung spricht und im selben Atemzug Zugangsbeschränkungen als unvermeidbar darstellt, braucht sich über Glaubwürdigkeitsprobleme nicht zu wundern

Die Unis brauchen mehr Geld, das leugnet mittlerweile niemand mehr. Und die SPÖ scheint sich aus der Affäre ziehen zu wollen – wir brauchen aber Antworten auf die Bildungsmisere und mehr als leere Bekenntnisse. Deshalb ist heute auch ein offener Brief an de SPÖ-Regierungsmitglieder ergangen - den Worten müssen Taten folgen!

Liebes Regierungsteam der SPÖ,

Die Studierendenproteste der letzten Wochen zeigen, dass an den Universitäten viel im Argen liegt – und dass die Studierenden sich wehren.
Die Universitäten brauchen mehr Geld – und nicht weniger Studierende. Über die vielen Studierenden und den Anstieg der StudienanfängerInnen aufgrund der Teilabschaffung der Studiengebühren müssen wir uns freuen – anstatt über Beschränkungen zu sprechen.

Die Sozialdemokratie heftet sich in Österreich und weltweit den Kampf für Bildung als emanzipatorische Kraft auf die Fahnen. Die gemeinsame Schule ist ein Teil dieses Kampfes.

Aber nicht nur Schulbildung, auch Hochschulbildung muss frei und allen zugänglich sein – denn nur das ermöglicht gerechten und gleichen Zugang zu Bildung; Zugangsbeschränkungen halten Menschen vom Studieren ab. Daran ändern Umdeutungsversuche in „qualitative Zulassungsvoraussetzungen“ oder „Zugangsregelungen“ nichts. Zugangsbeschränkungen, egal ob Aufnahmetest, Numerus Clausus oder Knock-Out-Prüfung in einer verschärften Studieneingangsphase, hindern vor allem sozial Schwächere am Studierenden.

Bildungsnahe Schichten sind an den Universitäten um den Faktor Drei überrepräsentiert (BMWF, Materialien zur sozialen Lage der Studierenden 2007, 46). Kinder von Vätern mit akademischem Abschluss beginnen also mehr als fünf mal häufiger ein wissenschaftliches Studium als jene von Vätern mit Lehrabschluss. Deutlicher lässt sich die soziale Selektivität des österreichischen Bildungssystems nicht aufzeigen.

Begründet werden Zugangsbeschränkungen in aller Regel mit der schlechten budgetären Lage der Universitäten, man könne sich nur eine bestimmte Anzahl an Studierenden „leisten“. Dabei wird aber gerne verschwiegen, dass jene schlechte budgetäre Lage Ergebnis einer bewussten Budgetpolitik ist. Welchen Stellenwert Bildung hat, ist nämlich kein Sachzwang sondern politischer Wille. Dass Hahn und Co den „Ansturm der Deutschen“ dazu verwenden, wieder Studiengebühren und noch mehr Zugangsbeschränkungen zu fordern, mag im Verständnis konservativer Politik logisch sein – als SozialdemokratInnen darauf einzusteigen, ist aber der falsche Weg.

Wir fordern euch auf, den Worten und Bekenntnissen zu zwei Prozent des BIP in den tertiären Bereich, nun Taten folgen zu lassen – und der ÖVP und ihren Wünschen nach Elite-Hochschulen nicht klein bei zu geben! Hochschulen können und müssen ohne Zugangsbeschränkungen funktionieren. Dazu braucht es nicht nur ein Bekenntnis und Soldarisierungen sondern tatsächliche Verbesserungen. Der erste Schritt auf einem langen Weg zu einem fairen Hochschulsystem ist die Hochschulmilliarde.

Für den offenen Hochschulzugang!

Sophie Wollner
VSStÖ Bundesvorsitzende

WolfgangMoitzi
SJ Verbandsvorsitzender

Iris Schwarzenbacher
aks Bundesvorsitzende

Aufruf zur Demonstration morgen 17 Uhr

27. Oktober 2009 von sophiewollner

Die Protestwelle in ganz Österreich hat zu breiter Unterstützung aus allen Bereichen der Gesellschaft geführt, SchülerInnen, ArbeitnehmerInnen, PädagogInnen, Lehrende und viele mehr solidarisieren sich mit den Anliegen der Studierenden.

Der Protest wird breiter: Morgen Mittwoch, 28.10. findet um 17 Uhr eine große Bildungsdemonstration in Wien, Treffpunkt vor dem Hautgebäude der Uni Wien statt.

Wir kämpfen für freie Bildung, gegen Studiengebühren, gegen Zugangsbeschränkungen und für bessere Studienbedingungen!

Wir wollen unbeschränkt Studieren!

Wir wollen unbeschränkt studieren!

25. Oktober 2009 von sophiewollner

Anfang der Woche wurde die Akademie der bildenden Künste besetzt. Seit Donnerstag ist das Audimax an der Uni Wien besetzt. An der Uni Graz ist ein Hörsaal besetzt. In Innsbruck formiert sich Protest für kommende Woche.

Wir Studierende schreien auf: die Studienbedingungen sind katastrophal, die Unis haben kein Geld, es drohen Zugangsbeschränkungen, der Anti-Wissenschaftsminister will Studiengebühren wieder einführen und das Stipendiensystem ist löchrig. Grund genug, für tausende Studierende, sich das nicht mehr gefallen zu lassen und durch verschiedene Protestformen den Sorgen Ausdruck zu verleihen.

Jetzt gehts darum, dass Hahn und die Regierung handeln: Wir brauchen ein sinnvolles Konzept für die Unis, ausreichende Hochschulfinanzierung und echte soziale Absicherung. Alle sollen studieren können – und das unbeschränkt!

Grenzenlos Studieren?

18. Oktober 2009 von sophiewollner

Zugangsbeschränkungen treffen ausländische Studierende besonders hart. Ein Überblick über die Ungerechtigkeit der Mischung aus Universitätsgesetz und Fremdenrecht.

Ausführlicher und gedruckt nachzulesen ist der Artikel in der unique, der Zeitung der ÖH Uni Wien.

Zugangsbeschränkungen wie beispielsweise Aufnahmetests sind große Steine auf dem Weg von Studierenden die nicht aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) kommen. Als Nicht-EWR-Bürgerin ist die Finanzierung des Studiums durch Erwerbstätigkeit fast unmöglich, da sie nur unter speziellen Auflagen eine Arbeitserlaubnis erhalten. Außerdem muss vor der Einreise die Zulassung erreicht werden – was bei einem Aufnahmetest VOR Zulassung den Beginn eines Studiums kaum möglich macht. So brauchen Drittstaatsangehörige, um an den Aufnahmetests, Bewerbungsgesprächen oder Ähnlichem teilzunehmen, ein TouristInnenvisum damit sie nach Österreich einreisen dürfen. Konnten sie überzeugen und werden zum Studium zugelassen, müssen sie wieder zurück in ihr Heimatland, um dort an der österreichischen Botschaft eine Aufenthaltsbewilligung für Studierende zu beantragen. Wenn sie Glück haben, kann ihr Antrag schnell genug bearbeitet werden um dann hier noch Lehrveranstaltungsplätze zu bekommen, häufig aber kommt die Bewilligung zu spät um noch an Seminaren teilzunehmen.

Wer nicht aus dem EWR kommt, braucht außerdem eine Aufenthaltsbewilligung – und dafür einen gültigen Mietvertrag und Versicherung, sowie genügend Geld auf dem Konto um ein Studium zu beginnen. Das sind laut Bundesministerium für Inneres bis 24 Jahre mindestens 426,57€ pro Monat, ab 24 mindestens 772,40€ pro Monat. Wenn dieser Betrag dann für das ganze kommende Jahr nachgewiesen werden muss ergibt das eine ganz schöne Stange Geld – die auch viele Einheimische nicht einfach so am Konto liegen haben.
Auf diese Art und Weise will der Staat auswählen, wer ins Land kommt: lieber die besser situierten und vor allem keine „Wirtschaftsflüchtlinge“.

Studiengebühren als Zugangsbeschränkung

Die Teilabschaffung der Studiengebühren im September 2008 war für viele ein Erleichterung – leider nicht für alle: Jene die nicht aus dem EWR kommen, müssen weiterhin zahlen. Eine Ungerechtigkeit die für Studierende, die sowieso schon diskriminiert werden, noch mehr Barrieren aufbaut. Dabei ist diese Abwälzung von Kosten auf die Studierenden selbst rein ökonomisch nicht rechtfertigbar. Während des Studiums pumpen ausländische Studierende über Jahre hinweg beträchtliche Summen direkt ins österreichische Wirtschaftssystem, indem sie Miete zahlen, Kleidung, Essen und Lernunterlagen kaufen. Ein Verhalten für das die öffentliche Hand ziemlich viel Geld in die Hand nimmt, um TouristInnen dazu zu motivieren.

Fertig?

AbsolventInnen die nicht aus dem europäischen Wirtschaftsraum kommen und hier nach ihrem Studium weiter leben und Steuern zahlen wollen haben es nicht besonders leicht. Nur wer direkt nach dem Abschluss/sofort über 2.412 Euro pro Monat verdient und somit als „Schlüsselkraft“ gilt, hat Chancen auf eine Niederlassungsbewilligung. Alle anderen müssen hoffen, dass es in ihrem Abschlussjahr noch freie Quotenplätze gibt, andernfalls müssen sie ihre neue Heimat wieder verlassen.